1994 - "träum weiter!"

Ach komm, träum weiter!

Es ist das Jahr 1994. Nelson Mandela wird in Südafrika Präsident nach dem Ende der Apartheid, in Südamerika ist eine totale Sonnenfinsternis zu beobachten, das deutsche Umweltministerium ruft zum ersten Mal Ozonalarm aus und Kurt Cobain stirbt. ...Und in Rümmelsheim? Hier in meinem persönlichen Mikrokosmos, stehe ich in meinem Weingut und bin entschlossen „öko zu machen“. „Echt jetzt? Öko? Das willst du machen? Weinbau geht doch auch so wie es schon immer gelaufen ist. Ach komm, träum weiter.“ Viele meiner Winzerkollegen lächeln milde. Im gleichen Maß wie bio heute in ist, wurde ich damals dafür schief angeguckt.

Meine Familie ist schon seit dem 17. Jahrhundert Winzer und Landwirte in Burg-Layen. Als sich die Brüder Alois, Ferdinand und Josef in den 1930ern aufteilen, wird unsere heutige Hofstätte in Rümmelsheim gebaut. 500 m vom ursprünglichen Elternhaus entfernt. Hier wurde ich mit meinen 3 Schwestern groß. Hier ist mein Herz und hier ist mein Gefühl für Heimat. Als Kinder waren wir fest verankert im Dorf- und Landleben. Während sich andere Kinder im Schwimmbad sonnten, waren wir im Feld und im Weinberg. Für die randlose Bräune an den Knöcheln riskierte meine Schwester sogar die Socken im Stoppelfeld wegzulassen. Wir waren ein wirklich kleiner Familienbetrieb mit einigen Äckern und ein paar Hektar zur Fassweinproduktion.

Und jetzt stehe ich 1994 hier und will, dass aus meinem Betrieb ein „richtiges“ Weingut wird. Moment, noch verrückter: ein Ökoweingut. Die Leute werden sich gefragt haben, warum denn auch noch das. Ist es nicht ambitioniert genug, erstmal den Betrieb grundsätzlich auf Vordermann zu bringen? Nein: für mich ist Ökoweinbau die einzige Möglichkeit Weinbau zu betreiben. Aus tiefer Überzeugung und ohne Marketinghintergedanken. 1993 ist unser erstes Kind geboren. Johannes war der Auslöser.

Die Nahe-Region ist ein wunderbarer Fleck Erde mit viel Wald, klaren Bächen und einer einzigartigen Vielfalt an Böden.

Der Boden spielt eine wichtige Rolle.

Sonne und Regen, die Jahreszeiten prägen den Wein.

Die Nahe ist meine Heimat und die Natur liegt mir Herzen.

Das klingt einfach und logisch. Ökologischer Weinbau ist meine Antwort darauf.

Georg Forster